Atomstrom – sauber und billig?

Atomstrom ist billig, Atomkraftwerke schonen Klima und Umwelt, Atomenergie ist zur flächendeckenden Versorgung unbedingt notwendig – der Atomindustrie fallen sehr viele Argumente ein, wenn es darum geht, die eigene Branche zu verteidigen. Doch was ist von diesen Thesen zu halten?

Atomstrom ist billig?

Es stimmt schon: Atomstrom wird meist billiger gehandelt als Strom aus Kohle oder Gas oder gar Strom aus erneuerbaren Energien. Aber seit Jahrzehnten subventioniert in Deutschland der Staat, sprich: der Steuerzahler, den Atomstrom. Und zwar seit 1950 mit insgesamt mindestens 165 Milliarden Euro, also 3,9 Cent pro Kilowattstunde Strom, wie eine von Greenpeace in Auftrag gegebene Studie bilanziert. Die Kosten, die die Atomindustrie der Gesellschaft in Zukunft aufbürdet, sind da noch gar nicht eingerechnet. Zum Beispiel die Kosten für die Endlagerung des Atommülls, für die es noch immer keine sicher Lösung gibt und die noch sehr, sehr viele Generationen beschäftigen wird. Finanziellen Gewinn machen einzig und allein die Kraftwerksbetreiber, die alljährlich Milliardengewinne einstreichen – ohne davon irgend etwas an ihre Kunden weiterzugeben.

Atomstrom ist sauber?

AtommeilerWer erinnert sich nicht an den GAU – den größten anzunehmenden Unfall – im Kernkraftwerk Tschernobyl 1986 mit seinen verheerenden Folgen für Mensch und Umwelt? Aber auch ganz „normale“, ordentlich funktionierende Atommeiler geben permanent Radioaktivität an die Umgebung ab, zwar in geringem Umfang, aber immerhin. Und der Atommüll, den die Kraftwerke produzieren, wird noch Tausende von Jahren weiterstrahlen. Ob er auf Dauer so gelagert werden kann, dass garaniert keine Strahlung in die Biospäre dringt, weiss heute kein Mensch. Aber es ist nicht nur die Radioaktivität, die die Umwelt belastet. Schon der Abbau des Brennstoffs Uran z. B. ist eine Umweltsünde größten Ausmaßes: Der Bau von Atomkraftwerken vernichtet intakte Naturlandschaften, mit ihrem Kühlsystem heizen manche Atommeiler die Flüsse so auf, dass Flora und Fauna dort erheblich leiden – und die Liste der Umweltfrevel durch Atomkraft ist lang. Auch die CO2-Bilanz von Atomenergie ist eher schlecht: Eine Studie des Öko-Instituts hat ergeben, dass, alles zusammengerechnet, bei der Produktion von einer Kilowattstunde Atomstrom 126 Gramm klimaschädliches CO2 ausgestoßen werden. Bei Strom aus Windenergie sind es gerade einmal 22 Gramm. Sogar moderne Gaskraftwerke mit Kraft-Wärme-Kopplung haben einen niedrigeren CO2-Ausstoß als Atommeiler.

Es geht auch ohne

In Deutschland hat die Kernenergie einen Anteil von 22 Prozent an der allgemeinen Stromversorgung, die erneuerbaren Energien tragen etwa 16 Prozent bei. Der Kernenergie-Anteil ist seit Jahren rückläufig, der Anteil des Stroms aus erneuerbaren Energien dagegen wächst rasant: Innerhalb von zehn Jahren hat er sich verdreifacht. Nicht mehr lange und der Ökostrom wird den Atomstrom überholt und überflüssig gemacht haben. Weltweit trägt die Atomenergie übrigens gerade einmal zwei Prozent zur gesamten Energieversorgung bei und die erneuerbaren Energien satte 18 Prozent.